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Freie Vereinigung der Tourensegler Grünau 1898 e.V.

Segeln am Ende der Welt

Mit der 12 m Segelyacht rund Kap Hoorn im November 2008. Eine erneute Reise mit der holländischen Dreimast-Bark „Europa“ von Kapstadt via Saint Helena und Montevideo führte mich wieder nach Ushuaia/Argentinien. Als südlichste Stadt der Welt am Beagle-Kanal gelegen ist Ushuaia nicht nur ein Ausgangspunkt für Reisen in die Antarktis, sondern auch von Segeltörns in die Inselwelt Feuerlands und um die Südspitze Amerikas - Kap Hoorn.

Foto im Beagle-Kanal

im Beagle-Kanal

Foto Kap Hoorn

Kap Hoorn

Foto Dr. Kranz

Dr. Kranz am Ruder

Mit Micki Porco Fischer und seiner TARI II rund Kap Hoorn vom 13. 11 – 19.11.2008. mehr Fotos und ein kurzer Film
Eine erneute Reise mit der holländischen Dreimast-Bark „Europa“ von Kapstadt via Saint Helena und Montevideo führte mich wieder nach Ushuaia/Argentinien. Als südlichste Stadt der Welt am Beagle-Kanal gelegen ist Ushuaia nicht nur ein Ausgangspunkt für Reisen in die Antarktis, sondern auch von Segeltörns in die Inselwelt Feuerlands und um die Südspitze Amerikas - Kap Hoorn. Der Gedanke, einen solchen Segeltörn zu unternehmen, nahm nach Recherchen im Internet immer mehr Gestalt an. Eine relativ große Zahl von Yachten mit Skipper bot sich dafür an. Ich entschied mich für die Yacht „TARI II“ mit Skipper Micki Porco Fischer (www-puertobeagle.com.ar). Ausschlaggebend war u.a., dass er neben spanisch und englisch auch deutsch sprach und damit eine schnelle und exakte Verständigung gesichert war. Der Skipper und seine Yacht TARI II
Micki Porco Fischer, in Ushuaia zu Hause, ist ein erfahrener Skipper, der mit seiner Yacht seit zehn Jahren in den Monaten Oktober bis April (jahreszeitlich auf der Südhalbkugel Frühling, Sommer und Herbstanfang) Chartertörns in Feuerland anbietet. Das in diesem Segelrevier vorherrschend extrem schnell wechselnde Wetter lässt allerdings keine Garantien zu, dass ein geplanter und gebuchter Törn zum Kap Hoorn auch tatsächlich stattfinden kann. Zum Ausgleich, oder auch unmittelbar, werden Törns in den Beagle-Kanal und seine Fjorde angeboten, bei denen ca. 16 verschiedene Gletscher angelaufen werden können.
Die Yacht „TARI II“: vom Design eine Douglas Peterson, 1989 in Fiumichino/Italien gebaut, Länge 12,50 m, Breite 3,80 m, Tiefgang 2.40 m., Rumpf, Deck und Deckhaus in 6 mm Aluminium, ist von Besegelung und technischer Ausrüstung speziell für dieses Segelrevier geeignet.
Die Crew mit insgesamt sieben Mitgliedern war multinational gemischt: der Skipper Micki (39) und sein Aissstent Pablo (23) waren Argentinier, unser jüngstes Crew-Mitglied Saph (19) kam aus England, Arturo (49) kam aus Spanien und deri waren aus Deutschland – Karl (70) aus Hamburg, Peter (62) und ich (77) aus Berlin. 1. Tag
13. November 2008
Wir hatten die Yacht ab dem 12. November 2008 für 7 Tage gebucht. Der Törnplan von Micki sah vor, dass wir spätestens am 19. November wieder zurück in Ushuaia sein müssen, da mit seiner Yacht danach neue Segler starten wollen. Die „Europa“ trifft jedoch erst am 13. November in Ushuaia gegen Mittag ein. Mit Micki wurde deshalb vereinbart, dass wir, wenn es das Wetter zulässt, noch am gleichen Tage unseren Törn beginnen. Für Saph, Karl, Peter und mich, die wir uns bereits in den zwei Monaten auf der „Europa“ kennen gelernt hatten, wird es ein etwas hektisches Umsteigen von der Bark auf die Yacht.
Micki, Pablo und Arturo holen uns am Grenzausgang des Hafens von Ushuaia ab. Obwohl gerade in Argentinien einklariert, fahren wir sofort zu den Hafenbehörden. Unser vorgesehenes Segelrevier gehört zu Chile. Das Ausklarieren aus Argentinien ist zuvor erforderlich. Behörden sind, wie überall, nicht die schnellsten. Es ist bereits 18.00 Uhr als wir den Hafen des Yachtclubs Nautico von Ushuaia erreichen. Dann
geht alles sehr schnell. Über mehrere andere Yachten hinweg klettern wir zur TARI. Unsere Taschen und Seesäcke werden unter Deck gebracht und das Ablegen beginnt. Um 18.30 Uhr verlassen wir den Hafen. Es liegen etwa 5 Stunden Fahrt bis zu unserem Ziel Puerto Williams vor uns.
Es ist ein Tag mit trüben, nasskalten Wetter. Der Himmel ist mit Wolken behangen. Ein böiger, kalter Wind bläst mit 5-6 Bft. aus West. Die Temperatur liegt etwa um 6° C. Insgesamt herrscht bei uns nicht gerade eine Jubelstimmung, aber doch eine gespannte Erwartung auf das, was uns die nächsten Tage bringen werden. Unter Genua gleiten wir in den Beagle-Kanal. Allmählich nimmt uns das Gebirgs-Panorama von Ushuaia und zu beiden Seiten des Kanal mit den schneebedeckten Gipfeln, einige über 2000 Meter hoch, gefangen. Der achterliche Wind treibt uns mit 6-7 Knoten zügig voran. Manchmal lassen die schwarzen Wolken den Blick auf die untergehende Sonne zu. Es wird schnell dunkel. Micki bietet Snacks für den kleinen Hunger. Am Steuer wird mehrmals gewechselt. Auch wir als Crew-Mitglieder werden einbezogen. Weit voraus sind im geradeaus verlaufenden Beagle-Kanal Lichter zu sehen. Sie warnen vor den Klippen, die vor der Hafeneinfahrt von Puerto Williams umfahren werden müssen. Um schneller anzukommen, wird der Motor zugeschaltet Es wird trotzdem 23.00 Uhr bevor wir im Hafen an einer der hier liegenden Yacht festmachen können. Nach einem schnellen Abendessen geht es ab in die Kojen.
54° 56’ 104’’ S, 67° 37’ 122’’ W
zurückgelegte Tagesstrecke: 26 sm 2. Tag
14. November 2008
Nach dem Frühstück geht Micki mit unseren Pässen an Land zur Einklarierung. Wir nutzen die Zeit, um einen Blick über den Yachthafen von Puerto Williams zu werfen. Er liegt in einer natürlichen Bucht, von allen Seiten von Hügeln geschützt Südwestlich erheben sich die schneebedeckten Felszacken der Dientes (Zähne) de Navarino. Die Bucht wird beherrscht von einem, wie man uns sagte, ehemaligen Rheindampfer, der hier auf Grund gesetzt wurde. Er dient als Club und als Anleger für die Yachten von Hochseeseglern aus aller Herren Länder. Etwa 20 größere Yachten, unter anderem aus Kanada und Neuseeland, liegen derzeit hier.
Puerto Williams, ein chilenischer Marinestützpunkt, ist mit seinen ca. 2.700 Einwohnern die südlichste Ansiedlung der Erde. Am Südufer des Beagle-Kanals auf der Isla Navarino gelegen, bietet sich von hier ein weiter Blick über den Beagle-Kanal und sein argentinische Ufer mit den Ausläufern der Darwin-Kordilliere.
Die chilenischen Behörden lassen sich Zeit. Sie verlangen, dass wir alle selbst zur Einklarierung kommen. Nach Kletterei über die verschiedensten Yachten setzen wir unseren Fuß auf chilenischen Boden. Die Isla Navarino ist mit 2.473 km2 die zweitgrößte Insel südlich des Beagle-Kanals. Sie ist zunehmend Ziel für Touren-wanderer, die eine wilde Landschaft und Einsamkeit lieben. Auf unserem Weg zum Kap müssen wir sie umfahren. Der kürzere Weg durch den Kanal Murray ist uns als Ausländern versperrt.
Das Auslaufen verzögert sich bis 12.00 Uhr. Bis zu unserem heutigen Ziel Puerto Tores liegen 27 sm vor uns. Inzwischen hat der Wind wieder aufgefrischt. Bei achterlichen 5 Bft und mit Genua erreichen wir 6 – 6,5 Knoten. Ein kurzer Abstecher zur kleinen Kolonie von Magellan-Pinguinen auf der Isla Martillo wird durch beginnende Regenschauer unterbrochen. Ein Mix von dicken Wolken, Regen,
Graupel und Schneeflocken, kurzen Sonnenlöchern, Starkwindzeiten und Flauten begleitet uns. Das schnell wechselnde Wetter gibt einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Hier in Feuerland jagt ein Tiefdruckgebiet das andere. Die Wetter-bedingungen und Temperaturen, die während unseres Törns meist unter 10° C lagen, werden davon geprägt.
Nach mehrstündiger Fahrt im Beagle-Kanal in östliche Richtung biegen wir in den südöstlich verlaufenden Paso Picton ein. Hier weht der Wind von Steuerbord. Wir können nun auch das Großsegel setzen. Gegen 18.30 Uhr kommt Puerto Toro in Sicht. Wir machen um 19.30 Uhr an einem der hier liegenden Krabbenfischer fest.
Puerto Toro ist eine Ansiedlung von wenigen Häusern, in denen über die Saison Krabbenfischer wohnen. Micki erwirbt von ihnen einige der roten Königskrabben, ein kulinarischer Leckerbissen. In Meerwasser gekocht, mit Makkaroni als Pasta zubereitet und einem guten chilenischem Rotwein bilden sie den Abschluss des Tages.
55° 04’ 917’’ S, 67° 04’ 418 W
zurückgelegte Tagesstrecke: 27 sm 3. Tag
15. November 2008
Gegen 09.00 Uhr verlassen wir Puerto Toro. Auf zwei Felsenklippen liegen inmitten einer Kolonie von Kormoranen einige Seelöwen. Der Himmel ist bewölkt, ab und zu kommt die Sonne durch. Es weht ein leichter Wind. Leider von vorn und kalt. Unter Motor geht es nach der Paso Goree in die Bahia Nassau. Wir müssen sie queren, um zu den Islas Wollaston zu gelangen. Etwa 20 sm offene See liegen vor uns. Für kurze Zeit werden wir von einer Gruppe Delphinen begleitet.
Der Wind frischt auf, kommt aber weiter zu sehr von vorn. Trotzdem werden das gereffte Groß und die Fock gesetzt, aber vorwärts bringt uns der Motor. Da wir noch ca. 50 sm bis zum möglichen Ankerplatz zurücklegen müssen, bleibt keine Zeit um gegen den Wind zu kreuzen. Der festgelegte Zeitplan für den Törn muss eingehalten werden. Die eingeplante Reserve von einem Tag ist dem Kap vorbehalten. Der Himmel wird trüber und schickt einige Regenschauer herab. Die Dünungswelle der Bahia bleibt zum Glück moderat. Wir können das weite Panorama der Bergketten in der Ferne mit Gletscher und Schnee genießen.
Am Nachmittag erreichen wir die Islas Wollaston. Sie sind als Nationalpark unter Naturschutz gestellt. Südlich von ihnen liegt die Isla Hornos, deren Südspitze das vom Mythos umrankte Kap Hoorn ist. Es sind unbewohnte Felseninseln mit teilweise steil aufragenden Ufern und vielen Klippen. Vereinzelt sind sie mit Grasmoosen und den hier typischen Südbuchen bewachsen. Ein Anlanden ist nur an einigen wind-geschützten Ankerplätzen möglich. Von ersten Albatrossen begleitet durchfahren wir die Islas Wollaston im Kanal Washington,. An dessen Ende verlassen wir auch den Windschutz der Inseln. Ein steifer Wind von 7 – 8 Bft und die hier ungebrochene Dünung des Pazifiks empfangen uns. Ein Vorgeschmack auf den weiteren, noch vor uns liegenden Weg zum Kap. Nach etwa 1 ½ Stunden können wir im Windschatten der Isla Maxwell wieder aufatmen. Kurz danach ist unser Ankerplatz an der Isla Hermite erreicht. Eine nur nach Osten offene Bucht, die von 150 – 200 Meter hohen, mit windzersausten kleinwüchsigen Buchen bewachsenen Berghängen umgeben ist, die uns vor den hier vorherrschenden Westwinden und den Wellen schützen. Gegen
20.15 Uhr fällt der Anker. Zusätzlich wird unsere Yacht mit zwei ca. 120 m langen Leinen am Ufer gesichert.
Das Luk wird geschlossen. Unser Ofen wärmt die Kajüte in kurzer Zeit auf und macht es gemütlich. Oben heulen die Windböen. Nach einem einfachen Abendessen geht es um 23.00 Uhr in die Koje. Das Kap liegt vor uns.
55° 49’ 435’’ S, 67° 30’ 688’’ W
zurückgelegte Tagesstrecke: 55 sm 4. Tag
16. November 2008
Fallböen haben die ganze Nacht die Wanten zum Singen gebracht. Micki holt über sein Laptop die aktuellen Windmeldungen ein. Trotz relativ klarem Himmel – am Kap sind 8 Bft. Ein Abschwächen ist erst am Nachmittag zu erwarten. Wir beschließen, dass wir zum Abwettern heute hier liegen bleiben und, im Vertrauen auf die Vorhersage, morgen das Kap umsegeln. Durch die Tide ist der Wasserspiegel um etwa 1 ½ Meter gesunken. Man sieht, dass die östliche Seite unserer Ankerbucht von einen Klippenwall umgeben ist, der nur eine schmale Einfahrt freilässt. Über die Bucht und unsere Yacht pfeifen in unregelmäßigen Abständen Böen hinweg.
Am Nachmittag beschließt ein Teil der Crew mit dem Zodiak ans Ufer überzusetzen und den steilen Abhang der Isla Hermite zu erklimmen. Oben öffnet sich ein weiter Blick über die Islas Wollaston und die von West über den Pazifik heran rollende Dünung. Das Kap ist nicht zu sehen. Es wird von der vorgelagerten Isla Hall verdeckt.
Am Abend erhalten wir Besuch. Eine Weddellrobbe hat sich hierher verirrt und interessiert sich für unsere zum Ufer gespannten Leinen. Als ihre Neugier befriedigt ist, taucht sie ab und verschwindet. Micki beweist für unser Abendessen erneut seine Kochkünste. Bevor es in die Kojen geht, noch ein Blick auf die Windvorhersage. Es ist nur am frühen Morgen für kurze Zeit eine geringfügige Abnahme des Windes zu erwarten. 5. Tag
17. November 2008
Heute müssen wir ums Kap. Auch wenn der Wind nur für kurze Zeit etwas Abflauen soll, ein Zurück gibt es nicht. Unsere Zeitreserve ist aufgebraucht. Um 08.00 Uhr wird der Anker gelichtet. Unter Motor geht es in die enge Durchfahrt zwischen den Islas Jerdän und Hermite. Im Windschatten letzterer werden das gereffte Groß und die kleine Fock gesetzt. Bis zum Kap liegen 17 sm offene See vor uns. 5-6 Bft raumer Wind und die Dünungswelle des Pazifik ergreifen die TARI II von Steuerbord. Bei einer ständigen Krängung nach Backbord, dem Auf und Ab in der immer höher werdenden Welle machen wir etwa 6 Knoten Fahrt. Nach einer reichlichen Stunde liegt bereits die Isla Hall neben uns. Bis zum Ufer sind es etwa 0,7 sm. Man sieht deutlich, wie die Brecher an der felsigen Steilküste aufsteigen. Der Wind nimmt weiter zu und erreicht 6-7 Bft. Er heult in den Wanten und wird böiger (vom auf dem Kap stationierten Offizier der Chilenischen Marine erfahren wir später, dass er Boen in der Spitze bis 10 Bft gemessen hat). Die TARI macht jetzt fast 8 Knoten. Die Krängung erreicht oftmals bis 50°. Die Wellen, haben weiße Schaumkronen, die immer stärker brechen und Schaumfelder bilden. Windböen reißen die Gischt mit sich. Albatrosse und Sturmvögel fühlen sich in ihrem Element. Unsere TARI hält sich
hervorragend in der stark kabbeligen, etwa 4 m hohen Welle. Da wir mit der Dünung laufen, schlagen nur einige gegen unsere Sprayhood und laufen bei einer besonders starken Kränkung übers Deck. Von Arturo, der ein erfahrener Hochseesegler ist, hat jetzt Micki selbst den Platz am Steuer übernommen.
Langsam kommt im Dunst backbord voraus das Kap Hoorn in Sicht. Um 11.00 Uhr ist es soweit. Wir haben es in ca. 1,2 sm Entfernung querab. Wegen der davor liegenden Felsklippen können wir bei diesem Seegang nicht dichter heran. Der zackige Felsgrat, der sich vom 424 m hohen Gipfel des Kaps bis zum Wasser herab zieht, ist deutlich zu erkennen. Zum Jubel und einem Umtrunk auf die gelungene Kapumrundung bleibt bei diesem Seegang keine Zeit. Beginnender Regen versperrt uns die weitere Sicht. Kurze Zeit später ist die Kapinsel nur noch verschwommen zu sehen. Eine notwendige Kursänderung macht es erforderlich, die Segel nach Steuerbord zu verholen. Die damit verbundene Krängung, jetzt nach Steuerbord, erschwert ebenfalls die Sicht in Richtung Isla Hornos. Über Funk nimmt Micki Kontakt mit der Station auf der Kapinsel auf. Er will wissen, ob die Möglichkeit einer Anlandung besteht. In der einzigen dafür möglichen Bucht wäre der Schwell hoch, doch bei entsprechenden Vorsichtmaßnahmen sei sie möglich. Wir nehmen Kurs auf die windgeschützte Ostseite der Isla Hornos und erreichen um 13.45 Uhr die Bucht Caleta León, in der eine Holztreppe hinauf führt.
Ein Ankern ist nicht möglich. Die Bucht ist zu stark mit Kelp bewachsen. Die TARI muss in ständiger Fahrt und Beobachtung bleiben. Auch liegen bis zum gesetzten Tagesziel noch 45 sm vor uns Für das Anlanden bleibt deshalb nur wenig Zeit. Wir entscheiden, dass nur die von uns an Land gehen, die noch nie auf dem Kap waren. Karl und ich, die wir bereits vor zwei Jahren dazu die Gelegenheit hatten, bleiben mit Micki auf der TARI zurück. Dadurch ist nur eine Fahrt mit dem Zodiak notwendig. Pablo nimmt meine Kamera und unsere Meilenbücher mit. Der Stempel über die gelungene Kapumrundung soll diese dokumentieren.
Gegen 14.30 Uhr verlassen wir die Isla Hornos. In ihrem Windschatten sind es etwa 4,5 sm bis zur Isla Herschel. Die Durchfahrt zwischen ihr und der Isla Deceit – der Paso Mar del Sur und danach die Bahia Arquistade müssen wir bei gesetzten Segeln motoren. An der Isla Freycinet vorbei verlassen wir die Islas Wollastone/Hermite. Vor uns liegen wieder 30 sm freie See der Bahia Nassau. Wir sind auf weitere Stunden mit Wind und hohem Seegang vorbereitet. Doch es kommt anders. In kurzer Zeit ist der Wind und die Welle weg Die Sonne kommt durch. Die Islas Wollastone und Hermite bilden bei der heutigen Wetterlage offensichtlich auch eine Wettergrenze. Ein Blick zurück in Richtung Kap zeigt am Himmel, wie abgeschnitten, die zwei unterschiedlichen Wetterfronten. Die oft stürmische Bahia Nassau wird diesmal für uns zur gemütlichen Bootsfahrt unter Motor bei herrlichsten Sonnenschein. Weit voraus unser Tagesziel die Isla Lennox. Ein phantastischer Sonnenuntergang begeistert uns. Es ist dunkel als wir in einer geschützten Bucht den Anker fallen lassen.
Den Abschluss des Tages bildet ein kulinarisches Menü von Micki mit den entsprechenden Getränken. Wir stoßen auf die gelungenen Umrundung des Kap Hoorn an. Es ist nach Mitternacht bevor wir in die Koje kommen.
55° 17’ 834’’ S. 66° 50’ 484’’ W
zurückgelegte Tagestrecke: 62 sm 6. Tag
18.November 2008
Es ist 12.00 Uhr mittags geworden als wir den Anker lichten. Das Wetter freut sich mit uns, dass wir das Ziel unseres Törns, das Kap Hoorn unter Segeln zu umrunden, erreicht haben. Bei Sonnenschein, einigen Wolkenschleier, einer fast glatten See und leider auch keinen Wind können wir uns entspannt „zurücklehnen“ und die vorbeiziehenden Inseln und Uferlandschaften betrachten. Unter Motor queren wir die Bahia Oglanda. Dann geht es in der Paso Picton Richtung Beagle-Kanal. Von beeindruckender Schönheit wieder die jetzt im Sonnenschein strahlenden schneebedeckten Gipfel der Berge zu beiden Seiten des Kanals. Ein Abstecher führt uns nochmals zu den Pinguinen auf der Isla Martillo.
Ein leichter Ostwind ermöglicht es, zusätzlich zum Motor, noch einmal die Segel zu setzen. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den Seglerhafen von Puerto Williams. Ein zünftiges Asado vom Grill auf dem Deck des Clubdampfers beschließt den Tag.
54° 56’ 101’’ S, 67°37’ 122’’ W
Zurückgelegte Tagesstrecke: 40 sm 7. Tag
19. November 2008
Der letzte Tag unseres Törns. Arturo verlässt uns bereits hier. Er will noch einige Tage auf Navarino bleiben. Bevor er von Bord geht, noch schnell ein Gruppenfoto geschossen. Micki erledigt bei den chilenischen Behörden die wieder notwendige Ausklarierung für uns. Wir packen inzwischen unsere Seesäcke. Gegen 11.00 Uhr verlassen wir Puerto Williams. Wir müssen motoren. Die Strömung und ein leichter Westwind sind gegen uns. Dafür ist das Wetter wie am Vortag. wieder sehr angenehm: Sonne, einige Wolken am blauen Himmel und eine ungewöhnliche Temperatur von 12° C.
Bevor wir in die Bucht von Ushuaia einlaufen, machen wir einen Abstecher zu den vorgelagerten Felseninseln, zum Leuchtturm Les Eclaireurs und zu den Seelöwen- und Kormoran-Kolonien. Große Kelp-Felder müssen umfahren werden. Die letzten Stunden unserer Fahrt genieße ich noch einmal das phantastische Panorama der von der Sonne beschienenen Gebirgskette der mit Gletschern und Schnee und der davor liegenden Stadt Ushuaia. So beeindruckend sieht man es nur, wenn man vom Beagle-Kanal auf dem Wasserwege kommt. Gegen 16.00 Uhr machen wir im Hafen des Segelclubs Nautico fest Ein erlebnisreicher Segeltörn in einem nicht alltäglichem Revier ist zu Ende.
Zurückgelegte Tagesstrecke: 28 sm Dr. Erhard Kranz
TSG 1898 e.V.