Ein Rennen reicht: Geldner-Preis 2026 trotzt Wetterextremen auf dem Langen See
Der 78. Geldner-Preis am 20. und 21. Juni 2026 verlangt den Teilnehmern alles ab – nur nicht das, worauf es im Segelsport eigentlich ankommt: verlässlichen Wind. Stattdessen dominiert ein Sommersetup aus brütender Hitze, ausgeprägten Flautenphasen und aufziehenden Gewitterzellen das Geschehen auf dem Langen See der Dahme.️ Und es war nicht nur das Wetter, das bei dieser Regatta für dramatische Momente sorgt.
Wettfahrtleiter Ulrich Castrischer startet die Veranstaltung pünklich am Flaggenmast der TSG. Doch bevor er die 21 Olympiajollen auf den Kurs schickt, gibt es einen ersten feierlichen Moment. Mit einer Laudatio vom Berliner Flottenchef Timo Priebe wird Olaf Wahrendorf (TSG1898) für seine jahrzehntelange aktive und kameradschaftlich vorbildliche Leistung in und für diese Klasse die Ehrenmitgliedschaft der O-Jollen-Klassenvereinigung verliehen.

Samstag: Ein kurzes Fenster – und die einzige Chance
Bereits in den Morgenstunden zeigt der Blick auf die Windkurve, was die Segler erwarten wird: schwacher, instabiler Wind um 1–3 Knoten, später kurze Spitzen bis etwa 6–7 Knoten, dazu drehende Richtungen aus Süd- bis Nord-Nordwest.
Genau dieses kleine Windfenster nutzen Wettfahrtleiter Ulrich Castrischer und Co-Wettfahrtleiterin Julia Perthen konsequent:
Am Samstag kann eine Wettfahrt gestartet und sauber beendet werden – und sie soll die einzige des gesamten Wochenendes bleiben.

Der glückliche Sieger erlebt das einzige Rennen und den entscheidenden Augenblick des Sieges so:
Unverhofft kommt oft… endlich mal wieder mit der O-Jolle unterwegs, und dann das!

Nach echt bescheidenem Start bin ich mittendrin statt nur dabei. Vorn geht die Post ab und ich kämpfe den Anschluss zu halten. Die Kreuz geht bis nach Marienlust. Auf der anschließenden Vorwind kann ich an 2 Kontrahenten vorbeirutschen. An der kleinen Rohrwallinsel entscheidet sich das Führungspulk links vorbei zu gehen, nur Timo hält tief und fährt unten durch. Ich fahre auch unten durch und komme kurz hinter Timo aus der Enge. Timo fährt zu hoch, ich drück tief, fast am Ufer lang und gehe damit in Führung.
Die kann ich bis ins Ziel halten, auch wenn die Zielkreuz durch Windlöcher und etliche Dickschiffe unnötig aufregend wird. Teufelskerl Donald kommt mir nochmal unnltig dicht, es reicht dann aber doch für mich.
Im Anschluss lässt der Wind nach, dreht um fast 180°, bis die Wettfahrtleitung wegen des aufziehenden Gewitters alle Teilnehmer in den Hafen schickt, keine Wettfahrten mehr.
Auch am Sonntag fehlt der Wind und ich kann stolz und glücklich den Walter-Geldener-Preis zum 2ten mal gewinnen…
Das Boot ist übrigens ein geliehnes MIK-Schiff, da meins immernoch zu Nacharbeit in der Werft ist...
Einen zweiten Schicksalsmoment erlebt der siegreiche Thomas Müller kurz vor der Ziellinie: Nach dem Runden des Leefasses segelt Thomas dicht am Südufer vor den Stegen in der Schmöckwitzer Bucht entlang Richtung Ziellinie. Dieser Kurs bedeutet Kollisionskurs mit der ablegenden BVG-Fähre von der Haltestelle “Zum Seeblick”. Nicht zum ersten Mal weicht ein Fährkapitän einem regattierenden Segelboot auf dem Langen See aus, indem er seine Fähre im großen Bogen hinter dem Heck der O-Jolle GER16 vorbei lenkt. Ein Ausweichmanöver hätte den Führenden vermutlich den Sieg gekostet. Danke einmal ausdrücklich an dieser Stelle an die FRS-Weiße-Flotte-GmbH aus Stralsund für Ihr segelkundiges und rücksichtsvolles Fährpersonal, die die Fähren für die BVG betreiben.
Kaum ist das Feld im Ziel, brach das fragile Windsystem wieder zusammen. Im weiteren Tagesverlauf fällt der Wind nahezu vollständig in sich zusammen, während sich gleichzeitig erste Gewitterzellen aufbauen. Die Wettfahrtleitung entscheidet souverän folgerichtig: Die geplanten weiteren Wettfahrten werden aus Sicherheitsgründen mit einer Gewitterunterbrechung zunächst verschoben und später abgesagt.
An Land wartet dann ein üppiges Kuchenbuffet auf die Segler, das Carla Kalinna und viele Helferinnen mit viel Herzblut gebacken haben. Abends ist das Wetter schnell vergessen. Der Grill lodert und bei Freibier feiern Gäste und TSG den Sieg der Deutschen Nationalelf im Saal.
⛈️ Sonntag: Warten, Verschieben – und erneut Gewitter
Der Sonntag beginnt, wie der Samstag endete: mit nahezu vollständiger Flaute. Die Startverschiebung an Land bringt keine Besserung – der Wind bleibt unterhalb jeder segelbaren Grenze.
Auch diesmal kündigt sich bereits früh die nächste Gewitterlage an. Die Wettfahrtleitung zieht rechtzeitig die Reißleine. Weitere Starts sind nicht mehr möglich.
Immerhin bleibt noch genug Zeit, um die Veranstaltung geordnet abzuschließen:
Die Siegerehrung wird kurz vor dem nächsten Gewitter durchgeführt.
Ergebnis: Eine Wettfahrt, ein verdienter Sieger
Da gemäß Ausschreibung alle Ergebnisse zählen, wenn weniger als vier Wettfahrten zustande kommen, wird die einzige gesegelte Wettfahrt zur Gesamtwertung herangezogen.
Den Sieg beim 78. Geldner-Preis sichert sich souverän:
🥇 GER 33 – Thomas Müller (1. Platz) vor
🥈 GER 599 – Donald Lippert (2. Platz) und
🥉 GER 153 – Timo Priebe (3. Platz)
Insgesamt gingen 21 Boote an den Start – am Ende entscheidet jedoch ein einziger Lauf über alles.





























































































































































































