Mit dem H-Boot auf dem Limfjord

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ein Reisebericht von Kati und Sebastian

Der Limfjord als Revier für kleine Segelboote? Mit einem Film von yacht-tv, den wir vor 8 Jahren sahen, wurden wir auf dieses traumhaft schöne Segelrevier im Norden Dänemarks aufmerksam. Ohne Erfahrung im Trailern erschien es uns auf eigenem Kiel allerdings lange unerreichbar.

Doch dieses Jahr haben wir uns endlich aufgerafft, es zu wagen. Die Kinder waren groß genug, wir hatten genug Zeit und ein starkes Auto geliehen. Nach 20 Jahren drückte Kati extra noch einmal die Fahrschul-Bank für die BE-Prüfung. Mit angenehmer Reisegeschwin-digkeit von 80 km/h zuckelten wir das 2-Tonnen-Anhängsel ohne Zwischenfäle in zwei Tagen nach Skive, mit Zwischenhalt im schönen Flensburg.

Der Limfjord ist ein große Wasserfläche, die durch Jütland verläuft und die Nord- mit der Ostsee verbindet. Als Segelrevier ist er durch viele Verzweigungen, Buchten, große und kleine Inseln sehr vielfältig. Der Søsport Havn in Skive verfügt über eine gute Infrastruktur und war für uns als Startpunkt ideal, vor allem als wir von anderen Seglern hörten, wie viel sie in anderen Häfen für Kranen und Parkgebühren zahlen mussten. Den Selbstbedienungs-Kran in Skive kann man online über tallyweb für 300 Kronen buchen. Nachdem wir Proviant gebunkert hatten führte unser erster Schlag den Skivefjord hinauf nach Hvalpsund, wo die Kinder sich ausgiebig auf dem großen Spielplatz austobten und wir es uns bei kalten Temperaturen in der kleinen Seglerküche gemütlich machten. Hier trafen wir auch das erste Mal auf andere deutsche Segler, was sehr selten bleiben sollte, und tauschten uns über unsere Erlebnisse und weiteren Pläne aus.

Am darauf folgenden Tag ging es  bei schönstem Sonnenschein weiter zur Insel Fur. Dieser nur 10 sm lange Weg kam uns bei streckenweise 0 Bft endlos lang vor. Allerdings schien es in der unberührten Weite und Stille der Szenerie geradezu frevelhaft, den Motor zu benutzen. Und so genossen wir ausgiebig die paradiesische Ruhe und Schönheit der Natur und legten erst am Abend an. Auf unserem Weg passierten wir ein Rudel Seehunde, die sich auf einer kleinen Sandbank sonnten. Seehunde sollten ein häufiger Gast auf dem Limfjord werden – in vielen Häfen kommen sie regelmäßig vorbei und beäugen neugierig die Boote.

Fur wurde unser erster längerer Zwischenstopp. Ursprünlich planten wir, drei Nächte zu bleiben, um die Insel zu erkunden. Neben einem tollen Spielplatz direkt am Hafen gibt es ein unglaublich tolles Inselmuseum, ein Brauhaus und unzählige Bilderbuchpanoramen. Wir liehen uns also Fahrräder aus und gingen auf Entdeckungstour.

Auf Fur wurde lange Zeit der sogenannte Moler abgebaut –  ein Kalkstein, der vor ca. 55 Mio. Jahren abgelagert wurde und am Ende der letzten Eiszeit an die Oberfläche gekommen ist. Dieser Stein bildet viele Steilklippen im Gebiet des Limfjords und ist voller Fossilien.

Diese kann man im Museum auf Fur bestaunen, oder – das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen – unter fachlicher Führung eines Geologen in den ehemaligen Steinbrüchen selbst suchen. Ein Highlight für unsere Kinder! Angenehm in Fur war auch, dass es in Laufweite einen Supermarkt gibt und dass der Hafen über Waschmaschine und Trockner sowie eine große Seglerküche und mehrere Grillplätze verfügt.

Die nächste Station sollte Nykøbing auf Mors sein. Eigentlich ein kurzer Sprung – leider gegenan in engem Fahrwasser. Hier realisierten wir auch das erste Mal, dass die Wetter- und Windvoraussagen nicht immer besonders zuverlässig sind. Nach 2sm Kreuzen gegen Wind und kapplige Welle gaben wir den Plan leicht genervt auf, blieben noch eine weitere Nacht in Fur und schmiedeten neue Pläne.

Am nächsten Tag ging es – diesmal vorsorglich gleich mit Reff – weiter nach Ejerslev. Gute 4 Bft bescherten uns tolles Segeln. Wieder gegenan – dafür dieses Mal bei schönstem Sonnenschein, so dass wir viel Spaß hatten. Bei Ankunft bemerkten wir eine Salzkruste, die das Spritzwasser auf unserem Deck hinterlassen hatte. Das Wasser im Limfjord ist deutlich salzhaltiger als die Ostsee. Hier gedeihen Austern, Seesterne, Seeigel und verschiedenste Seeanemonen.

Der Hafen von Ejerslev war früher ein kleiner Molerhafen, in dem vor Ort abgebauter Kalkstein verschifft wurde. Nach dem Untergang der Molerindustrie versandete er und erst vor ca. 15 Jahren wurde dann ein kleiner Sporthafen geschaffen.

Er liegt in einer schroffen, vom Tagebau geprägten, sehr reizvollen Landschaft, die wir bei einer kleinen Wanderung erkundeten. Die 16 sm Amwindkurs haben sich gelohnt! Neben einem Wohnmobilstellplatz liegt im Windschatten ein toller Badestrand, das Wasser ist glasklar und 18°C warm.

Am nächsten Tag ging es weiter zu unserem Traumziel Livø, einer kleinen, ca. 4km² großen Insel. Hier leben nur 4 Menschen, es gibt einen kleinen Hafen, der im Becken Platz für etwa 6 Boote bietet. 6 weitere Boote können weitgehend ungeschützt auf der anderen Seite der Fähranlegers festmachen.

Wenn die letzten Tagestouristen die Insel verlassen haben (und man wie wir nach Ende der dänischen Sommerferien hier ist), hat man kilometerlange Strände für sich allein.

Die Insel hat eine wechselvolle Geschichte. Erste Siedlungsspuren gehen bis in die Steinzeit zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts entstand hier eine Anstalt, in der geistig und seelisch behinderte männliche Straftäter untergebracht und behandelt wurden. 1970 wurde die Anstalt aufgegeben und heute werden die Häuser als Ferienanlage weitergenutzt. Die Insel ist autark, ein kleines Windrad erzeugt den benötigten Strom. Livø besteht zu je einem Drittel aus Urwald, Weideland und nachhaltigen Anbauflächen für Getreidesorten, die mit dem rauhen Bedingungen zurechtkommen. Will man im kleinen Købmand ein Brot kaufen, zahlt man 60 Kronen, wird auf einer Liste notiert, und kann es am nächsten Morgen 9 Uhr, frisch gebacken aus Korn der Insel, abholen.

Der Wald ist ebenfalls beeindruckend. Durch die rauen und windigen Bedingungen wachsen die Bäume – Eichen, Kiefern, Weißdorn, Wacholder, Fichten und Tannen – nicht nach oben, sondern zur Seite. Teilweise ist der Wald so flach, dass man bequem über ihn hinweg schauen kann. Die langen einsamen Wanderungen haben wir sehr genossen und konnten einmal am Abend sogar eine Hirschherde beobachten.

Am Südöstlichen Ende der Insel ist gibt es eine Landzunge, nur wenige Meter breit, aber ca. 3km lang. Danach folgen weitere 2 km, in denen sich die Sandbank unter Wasser fortsetzt. Dieser sog. Livø Tap darf nicht betreten werden und dient den Seehunden und Seevögeln als Rastplatz.

Wir hätten noch ewig auf Livø bleiben können, aber als der Wetterbericht für die nächsten Tage bis zu 8 Bft voraussagte, entschieden wir uns, zurück nach Skive zu segeln, wo unser Auto parkte, so dass wir die Umgebung an Land erkunden konnten.

Wir legten die 22 sm auf raumen Kursen in weniger als 4 Stunden zurück. Teilweise fuhren wir deutlich über 7 Knoten, toller Segelspaß wie wir uns ihn erhofft hatten.

Die nächsten drei windreichen Tage besuchten wir ein altes Kalkbergwerk, in dem mehrere Kilometer unterirdischer Stollen zur Besichtigung freigegeben sind, historische Bauernhöfe in einem Freilichtmuseum und die mittelalterliche Spøttrup Borg, die als besterhaltene Burg des Landes gilt. Außerdem genossen wir es, in der Seglerküche im Hafen von Skive wieder interessantere Gerichte als Dosenfisch auf Brot und Nudeln mit Pesto kochen zu können.

Als letztes Ziel unseres Urlaubs setzen wir uns als kleinen Abstecher den Hafen von Sundsøre. Wir spazierten am menschenleeren Strand entlang und genossen ein Bier mit frisch geräuchertem Fisch. Der Hafen hat eine tolle Atmosphäre, die Seglerfreunde empfingen uns herzlich und so konnten wir noch einmal die Seele baumeln lassen und uns vom Limfjord verabschieden. Nach einem kleinen Umweg über die Seehundinsel setzen wir am nächsten Morgen letztmalig Kurs nach Skive. Der Wind frischte im Laufe des Tages immer weiter auf, so dass trotz Reff kontrolliertes Kreuzen schwierig wurde. Die Kinder blieben entspannt und doch waren wir froh, als wir schließlich im Hafen festmachten.

Wir klarierten auf, verstauten das Gepäck im Auto und schliefen ein letztes Mal auf unserer Malinka. Am nächsten Morgen legten wir den Mast, kranten aus und verließen Skive um kurz vor 14 Uhr in Richtung Heimat.

Vor unserer Reise hatten wir große Erwartungen an das Revier und doch wurden diese noch klar übertroffen. Die weite Landschaft, wunderschöne Natur und Ruhe vom hektischen Arbeitsalltag, die Möglichkeit lange Schläge zu segeln, die freundlichen Dänen und familienfreundliche Infrastruktur in den Häfen haben uns echt begeistert. In den knapp drei Wochen konnten wir nur einen kleinen Teil des Reviers sehen. Es bleiben viele weitere Häfen, Städtchen und Inseln, wir wir ein anderes Mal entdecken werden.

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