
Unser Tagebuch zur Teilnahme an unserer ersten Yngling Weltmeisterschaft in Bergen, Norwegen mit unserem Boot GER 257 und dem Team Charlotte Töpfer, Mathilda Nowka und Niels Stefanski (SGW).
Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Bergen begann bereits mehrere Wochen vor der eigentlichen Reise. Neben der Planung, Buchung und Meldung für die Regatta stand vor allem die technische Vorbereitung unseres Bootes im Mittelpunkt. Es wurden zahlreiche Reparaturen und Verbesserungen durchgeführt. In jeder freien Minute – teilweise bis tief in die Nacht – arbeiteten wir unter anderem an Messmarken, dem Ruderblatt, tauschten Rollen und Falle aus.

Zusätzlich überprüften wir mit Heinz John nochmal alle vermessungsrelevanten Elemente und stellten sicher, dass das Boot den Anforderungen für die WM entsprach.
Am Mittwoch, den 29.07., haben wir unser Boot fertig verladen und sind mit Auto und Boot auf dem Hänger in Richtung Kiel gestartet. Dort haben wir nach einem entspannten Nachmittag in einem Park den Abend ausklingen lassen. Am nächsten Tag ging es weitere 6 Stunden nach Hirtshals (Dänemark), von wo aus wir die Fähre nach Bergen nahmen.
Schon auf dem Parkplatz zur Fähre haben wir nicht nur ein weiteres Ynglingteam gesehen, sondern auch schon Christian Dylla getroffen, welcher zu dieser WM der Chefvermesser war. Nach ein paar guten Unterhaltungen mit ihm haben wir uns auf der Fähre in der Bar einen Cocktail gegönnt und den Abend genossen, bevor wir am nächsten Tag Bergen erreichten. Nach geschlagenen 18 Stunden auf der Fähre haben wir endlich den Hafen von Bergen gesichtet. Wir haben das Boot direkt nach nach Askøy Seilforening gebracht, der Verein, in dem die WM ausgetragen wurde. Dieser war etwas versteckt, in einer sehr ruhigen und idyllisch gelegenen Bucht eines Fjords.

Am nächsten Tag, dem 01.08., begann die offizielle Vermessung der Boote. Nachdem wir uns in einen Zeitslot eingetragen hatten, bereiteten wir das Boot vor und überprüften noch einmal alles bis aufs kleinste Detail. Die Vermessung verschob sich immer weiter nach hinten, weshalb wir die zusätzliche Zeit nutzten um weitere Verbesserungen und Reparaturen am Boot zu machen. Niels kam auf die glorreiche Idee das wackeln unserer Ruderanlage zu reparieren, was wir zuhause nicht mehr geschafft hatten. Nach fünf Minuten kam er mit einer neuen Ruderanlage zu uns, welche er von den Menschen aus dem Race-Office bekam. Niels erzählte uns, dass der Dachboden des Vereines voll mit Ersatzteilen für die Yngling sei und wir uns dort jederzeit mit Absprache bedienen dürften. Leider hat das Ruder nicht zu unserem Anbausystem gepasst, weshalb er wohl oder übel die Ruderanlage wieder zurückbringen musste. Nachdem unser Boot vermessen worden war, haben wir es nur noch schnell abgeslippt und zu Wasser gelassen und anschließend den Mast gestellt, bevor es für uns in unsere Unterkunft für einen gemütlichen Filmeabend ging.
Erstmals aufs Wasser ging es dann am nächsten Tag. Nach einem ausgewogenen Frühstück mit guter Musik ging es in den Verein. Während des Trainings konzentrierten wir uns darauf, die Besonderheiten des Reviers kennenzulernen. Vor allem die Strömung und deren Zusammenspiel mit Wind, Welle und Umgebung waren für uns wichtige Punkte. Nach dieser Trainingseinheit, in der wir noch einmal alle Grundlagen durchgingen, verbrachten wir den Abend gemeinsam mit Freunden und Bekannten (welche wir von einer Regatta aus dem letzten Jahr kannten) aus den Niederlanden, der Schweiz und Österreich in Bergen, um uns die Stadt anzuschauen.

Am Montag, den 03.08., fand das Practice Race statt. Dabei konnte die Wettfahrtleitung die Abläufe und Bedingungen für die bevorstehenden Rennen überprüfen. Für uns war es gleichzeitig eine gute Gelegenheit, uns auf das Revier, die Gegnerinnen und die
Rennbedingungen einzustellen. Der Tag wurde dann mit einer offiziellen Begrüßung abgerundet. Dienstag waren die ersten drei Wettfahrten geplant. Bei Wind von 11 Knoten, der im Laufe des Tages auf 5 knt abnahm, stellte vor allem die starke Strömung eine Herausforderung für uns dar. Dadurch mussten wir uns vor jeder Wettfahrt neu auf die Bedingungen einstellen und überlegen, wie wir Wind, Welle und die Strömung am besten nutzen konnten. Da nicht nur wir diese Herausforderung hatten, sondern fast alle Teams, haben wir es nach vier Frühstarts mit Abbruch, allgemeinem Rückruf und anschließend Black Flag doch noch geschafft, drei Rennen durchzubekommen. Wir erreichten die Plätze 21, 14 und leider einen 47. da eine massive Flaute aufkam und das gesamte Feld einmal teilte. Na Streicher müssen sich ja auch wirklich lohnen :)!
An diesem Abend fand der erste Nationalabend verschiedener Länder statt, darunter Australien, Indien, Belgien, Frankreich, der Schweiz und der Niederlande. Es war ein wundervoller Abend, der geprägt war von Karaoke, guten Gesprächen und tollen Tanzeinlagen.



Aufgrund des zu geringen bzw. fehlenden Windes am nächsten Tag hat die Wettfahrtleitung diesen als Restday für uns genutzt, weshalb der Mittwoch für uns sehr entspannt aussah. Den freien Tag haben wir unterschiedlich gestaltet: Während Lotti mit zwei Freunden aus den Niederlanden nach Bergen fuhr, um die Aussicht über die Stadt zu genießen, unternahmen Michelle (YCBG), Niels und Mathilda eine abenteuerliche Rundwanderung zum Herzen von Askøy. Auch dieser Abend wurde genutzt, um alle Seglerinnen zusammenzubringen bei einem Champions-Dinner mit Buffet, Reden und sehr amüsanten Gesprächen.
Der Donnerstag brachte wieder etwas mehr Wind, wodurch wir zwei weitere Wettfahrten durchbekamen. Diese liefen nicht ganz so wie erhofft und erreichten die Plätze 44 und 35.
Am Abend des Tages war der Nationalabend der Norweger*innen. Hier wurden bei sehr guter Stimmung und Musik traditionelle Gerichte und Getränke verspeist.
Auch der Freitag brachte wieder stärkeren Wind und anspruchsvollere Bedingungen. In drei Wettfahrten erreichten wir die Plätze 22, 27 und 39. Wobei die zweite der drei Wettfahrten für uns eine eher besondere war. Hier kam es an der Leetonne zu einer Protest-Situation, bei welcher ein dänisches Boot uns und einem österreichischen Boot die Innenposition nahm und mit uns mehr oder weniger kollidierte. Da die Boote nicht beschädigt wurden und sie ihren Fehler in der Protestverhandlung schließlich einsahen, sind sie mit einer 30-Prozent-Strafe „davongekommen“. Für uns war es eine gute Gelegenheit sich nochmals mit den internationalen Regeln auseinander zusetzen. Nachdem Niels uns bei der Protestverhandlung vertreten hatte begann auch schon der Nationalabend von Österreich, Dänemark und Deutschland. Auch dieser war ebenfalls sehr geprägt von Karaoke, Saurengurken, Bierball und Jägermeister.
Die letzten beiden Wettfahrten der Weltmeisterschaft standen nun am Samstag an. Bei immer mehr zunehmendem Wind, Welle und etwas Strömung erreichten wir die Plätze 19 und 34. Der 19. war dabei sehr außergewöhnlich, weil wir nach einem sehr guten Start als 6er um die Luvtonne gingen, die Position gegen die anderen starken Teams, aber leider nicht ganz halten konnten. Diese beiden Wettfahrten konnten wir nutzen, um alles, was wir über die WM gelernt hatten, zu zeigen, Spaß zu haben und die letzten Stunden auf dem norwegischen Gewässer zu genießen.
Nach den Rennen legten wir den Mast, krahnten das Boot und bereiteten alles für den Abtransport einen Tag später vor. Kurze Zeit später fand auch schon die Siegerehrung statt. Nach der Dankesrede für all die, die die WM so unvergesslich gemacht haben, die Wettfahrtleitung, Jury und die vielen Helferinnen und Helfer hinter den Kulissen, wurden auch schon die besten Teams geehrt. Eine besondere Überraschung war für uns die Jugendwertung. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten war, dass wir diese Wertung gewonnen hatten und wir daher Junioren-Weltmeister geworden sind.
Nach dem wir das verarbeitet hatten können wir rückblickend sagen, das die Weltmeisterschaft für uns eine sehr besondere und aufregende Erfahrung war.
Wir sind ohne konkrete Erwartungen nach Bergen gefahren und wollten vor allem Erfahrungen sammeln und die Regatta ohne großen Druck angehen. Nach zehn intensiven Wettfahrten und etlichen Stunden auf dem Wasser sind wir stolz auf unseren insgesamten 33. Platz und dass wir unser Können gegenüber 53 Booten zeigen konnten.
Trotz anspruchsvoller Bedingungen hatten wir bei jeder Wettfahrt viel Spaß.
Gleichzeitig haben wir viele neue Menschen kennengelernt und wertvolle Erfahrungen auf und neben dem Wasser gesammelt.
*Für einen mehr detaillierteren Bericht von Niels Stefanski, schaut gerne auf der Homepage der Segelgemeinschaft Wendenschloß vorbei! 🙂





