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Freie Vereinigung der Tourensegler Grünau 1898 e.V.

Geschichte wird gemacht

11.06.2018

Die 150-Jahre-Jubiläumsregatta und die 20. Auflage des A.W.-Niemeyer-Cups lockten hunderte Boote auf die Regatta-Bahn und den historischem Kurs der ersten Regatta Berlins.

O-Jollen führen das Feld kurz nach dem Start an

Vom Startschiff gibt Michael Kohlhoff den 109 Teilnehmern das Signal zum Start

Knut Wahrendorf überholt gekonnt in Luv. Der Sieger in der Jollenwertung setzte sich schnell an der Spitze fest

Mit Kaiserwetter vor spektakulärer Kulisse

Die 20er Jollenkreuzer holen auf - die "Zweite Liebe" mit Uwe Wahrendorf, Jörg Feldbinder und Ronald Seikrit, dem zweit-platzierten Boot in der Jollenkreuzer-Wertung

Sonnenschein auf R 583. Martin Herbst, Thomas Bechert und Uwe Peters erringen für die TSG in der Jollenkreuzer-Wertung Rang 5

Ralph Jambor, Frank und Christoph Sekura auf der Streamline starten mit dem niedrigsten Yardstick (87) als letzte ins Rennen und fahren auf Platz 8 vor bei den Kielbooten

8 Ynglings waren im Feld, der Bootstyp vom norwegischen Konstrukteur Jan Herman Linge, von dem auch die Soling stammt

12 Touren-20er- und 3 Renn-20er-Jollenkreuzer starteten beim A.W. Niemeyer Cup 2018

Raaaaaaauuuuuum!

Zum Greifen nah vorm Strand vom Strandbad Grünau

Auf der vollen Breite zwischen Strandbad Wendenschloss und Strandbad Grünau wird gefightet

In der Enge ist's eben manchmal ein bisschen enger

Siegerehrung beim A.W. Niemeyer Cup 2018: Knut Wahrendorf erhält den Preis für den 1. Platz bei den Jollen

Pokal für den 2. Platz bei den Jollenkreuzern: Uwe Wahrendorf, Jörg Feldbinder und Ronald Seikrit nehmen ihren Preis entgegen

Bei Kaiserwetter wurde das Ausnahmeereignis der hiesigen Segel-Szene gefeiert. Bei bis zu 30 Grad Lufttemperatur und Wind zwischen 2 und 3 Beaufort folgten insgesamt 165 Boote am zweiten Samstag im Juni den beiden Wettfahrten im Rahmen der Jubiläumsregatta "150 Jahre 1. Regatta in Berlin" und der 20. Auflage des A.W. Niemeyer Cups.

In der faktenreichen und umfassend recherchierten Festschrift von Rolf Bähr anlässlich des 150. Jahrestages der ersten deutschen Binnenregatta sind der damalige Kurs und die historischen Umstände anschaulich beschrieben. Auf diesem Kurs segelten die 47 Klassiker in den Wertungen Jollen, Jollenkreuzer und Kielboote ab 13:45 Uhr. 30 Minuten später schickte der Wettfahrtleiter Michael Kohlhoff die 118 Teilnehmer des A.W. Niemeyer Cups ebenfalls auf die Wettkampfbahn von 1868.

Beginnend mit Yardstick 120 folgten im Känguru-Start die Teilnehmer, die bei dem schwachen Wind zunächst eng beisammen segelten. Schnell fuhren die O-Jollen angeführt von Knut Wahrendorf, dem späteren Sieger in der Jollenwertung, nach vorne. Mit dem Abknicken des Gewässers nach Süd-Ost bei Kilometer 37 entzerrte sich das Knäuel aus weißen Segeln zusehends. Die freie Fahrt über die Regattabahn wurde zum spannenden Kopf-an-Kopf Rennen auf Am-Wind-Kurs. Die Steuerleute suchten die Windströmung auf der Leeseite des Ufers und fuhren den Steuerbordbug weit aus. Zwischenzeitlich waren die Boote auch für die Besucher des Strandbads Grünau scheinbar zum Greifen nahe und den Seglern wurde zugerufen.

Kurz vor Erreichen der Bammelecke ging es raus aus der Regattastrecke und rein in die offene Bucht vor Richtershorn mit frischem Wind. Mehrheitlich wählten die Steuerleute die südliche Umfahrung des Rohrwall-Eilands. Auf dem Langen See mussten sich die Segler einmal mehr entscheiden, wie tief sie dem frischen Wind im Leebogen durch die Bucht folgten und dafür den längeren Weg zum Seddinsee in Kauf nahmen.

Währenddessen wurde es in der Enge für die Nachzügler noch einmal richtig spannend: die Frachtschiffe, die wegen der Jubiläumswettfahrt von der Wasserschutzpolizei am Teltowkanal gestoppt worden waren, hatten ihre Weiterfahrt fortgesetzt. Mit hoher Geschwindigkeit erreichte die "Halberstadt" als erste mit einem beachtlichen Wasserberg vor dem Bug die Enge und bog, ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren, ein. Aufmerksame Crews registrierten rechtzeitig die beiden nachkommenden Frachter und versuchten mit schlaffem Tuch noch das mittlere Fahrwasser zu räumen. Eine Kielyacht konnte die sehr unmittelbare Nähe zur Frachter-Bordwand nicht mehr meiden - zum Glück ohne Berührung.

So ging die Wettfahrt für beide Regatten am Samstag mit der Zieldurchfahrt auf dem Seddinsee zu Ende. Die Teilnehmer der Jubiläumsregatta hatten damit ihr Soll erfüllt und während der Rückfahrt stieg schon die Vorfreude auf Siegerehrung und Abendveranstaltung in altbewährter Manier auf dem Vereinsgelände der TSG1898. An den Imbissständen und vor der Bühne feierten die Segler musikalisch von der Band begleitet bei bester Stimmung bis Mitternacht und an der Cocktailbar bis weit in die frühen Morgenstunden. 

Für die Teilnehmer des A.W. Niemeyer Cups stand am Sonntag noch die zweite Wettfahrt auf dem Programm. Pünktlich um 11 Uhr schickte die Wettfahrtleitung die Segler direkt vor dem Vereinsgelände der TSG mit Kurs Seddinsee über die Startlinie. Nach kurzem Rennen befand sich das Feld in der Enge, vor der es den TSG-Begleitmotorbooten gelang, die just ankommenden Fracht-Kapitäne von der Durchfahrt abzuhalten und umzuleiten. So konnten am Sonntag prekäre Begegnungen vermieden werden. 

Nach ungefähr einer Stunde Rennzeit musste Michael Kohlhoff dann aber die zweite Wettfahrt auf dem Seddinsee abbrechen. Grund: ein Regel-konformes Segeln war hier unter den Bedingungen nicht mehr möglich. Heißt: bei so unstetem und schwachem Wind aus wechselnden Richtungen, wie er auf dem Seddinsee angetroffen wurde, konnten die Teilnehmer nicht entsprechend der Qualifikation der Crews und der Möglichkeiten der Boote um die Wette segeln. Genauso gut hätte man sonst die Ergebnisse dieser Wettfahrt würfeln können. So blieb es bei den AWN-Cuppern im Endergebnis bei den Resultaten vom Samstag. 

Knut Wahrendorf von der TSG triumphierte mit seiner O-Jolle in der Jollenklasse, Reinhard Hübner und Bernd Jäkel vom YCBG siegten im P-Boot bei den Jollenkreuzern und bei den Kielbooten lag die Crew um Steuermann Frank Fuchs ebenfalls für den YCBG mit der Platu25, Segel-Nr. 5445, vorne. 

Doch neben den Einzelergebnissen ist es die Teamleistung, die den A.W. Niemeyer Cup auszeichnet. In seiner Eröffnungsrede betonte Ralph Jambor den Charakter einer inoffiziellen Mannschaftswertung des Reviers, der diese Regatta so einzigartig macht. Zudem machen die Hauptpreise in Form eines Regatta- und eines Trainingsoptimisten gesponsort durch A.W. NIEMEYER und AUTO ZELLMANN den Cup für die Vereine so attraktiv, Teams zu formieren und ins Rennen zu schicken. 

Für die Vereinswertung werden die zwei Besten in jeder Kategorie berücksichtigt. Als beste Mannschaft hat 2018 bei der 20. Auflage des A.W. Niemeyer Cups wie im Vorjahr der Yacht Club Berlin-Grünau (YCBG) gewonnen. Auf dem dritten Platz landet der Dahme Jacht Club (DJC). Die TSG1898 holt den zweiten Platz.

Wir gratulieren nochmals allen Siegern und bedanken uns für die rege Teilnahme zu Lande und zu Wasser. Besonderer Dank gilt den Sponsoren und den vielen Helfern, die die Veranstaltung Jahr für Jahr ermöglichen. Die jährliche Austragung durch den TSG seit 1999 mit A.W. Niemeyer als Hauptsponsor ist ein bemerkenswertes Erfolgsmodell für eine Bootsklassen-übergreifende Yardstickregatta auf Vereinsebene. Nächstes Jahr beim A.W. Niemeyer Cup sehen wir uns wieder, um der Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.

 

Die Ergebnisse 20. A.W. Niemeyer Cup 2018 im Detail:

- Mannschaftswertung
- Jollen
- Jollenkreuzer
- Kielboote

 

Ergebnisse Jubiläumsregatta 150 Jahre 1. Regatta in Berlin auf der Seite vom SC Brise

 

Fotos von der Jubiläumsregatta von Sören Hese auf Facebook